Hungerproblem ist menschengemacht – also vermeidbar

VonC. Peters

6. November 2023

Berlin (KNA)Die Welthungerhilfe sieht das Problem des Hungers in der Welt als menschengemacht und damit vermeidbar an. Die Ursachen des Hungers seien zwar komplex und hätten eine lange Geschichte, sie seien aber von aktuellen Kriegen und Krisen geprägt, erklärte die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe, Marlehn Thieme, am Montag in Berlin. Sie äußerte sich mit weiteren Expertinnen und Experten bei einer Anhörung des Menschenrechtsausschusses des Bundestags zur Verschärfung der weltweiten Nahrungsmittelunsicherheit und Wasserknappheit.

Nach UN-Angaben waren im vergangenen Jahr etwa 735 Millionen Menschen weltweit chronisch unterernährt. Das sind den Angaben zufolge 122 Millionen Menschen mehr als vor der Corona-Pandemie.

Schlechte Regierungsführung

Ursachen dafür seien schlechte Regierungsführung mit verbreiteter Korruption in den betroffenen Ländern, fehlende Investitionen in die ländlichen Räume sowie ein verzerrter Welthandel, erklärte Thieme. Dazu kämen die Auswirkungen von Kriegen und Konflikten in jüngster Zeit und eine fortschreitende Klimakrise, für die vor allem die wirtschaftlich starken Länder die Verantwortung trügen.

Die verschiedenen Krisen verstärkten sich gegenseitig und träfen vor allem Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen, unterstrich Thieme weiter. Abhilfe könne eine verlässliche Investition in soziale Sicherungssysteme und in die Widerstandsfähigkeit der Länder gegen akute Krisen schaffen. Jungen Menschen komme bei der Umgestaltung der Ernährungssysteme der Zukunft eine zentrale Rolle zu. Es sei eine Frage des politischen Willens, ob das globale Entwicklungsziel, bis 2030 den Hunger in der Welt zu besiegen, noch erreicht werden könne, so Thieme.

Vor allem Frauen und Mädchen betroffen

Die Referentin für Landwirtschaft und Welternährung des katholischen Entwicklungswerkes Misereor, Sarah Schneider, verwies darauf, dass vor allem Frauen und Mädchen von Ernährungsunsicherheit betroffen seien. Obwohl sie einen Großteil der landwirtschaftlichen Arbeit verrichteten, seien nur weniger von ihnen Landbesitzerinnen. Die Bundesregierung solle im Zuge der erklärten „feministischen Außen- und Entwicklungspolitik“ die Rechte von Frauen und Mädchen stärken und den Zugang zur Bildung erleichtern helfen, verlangte Schneider. Dies sei auch für den Kampf gegen Armut und Hunger entscheidend. Solche humanitären Aspekte sollten daher auch bei geplanten Lieferkettengesetzen berücksichtigt werden.

Der Direktor des Büros des Welternährungsprogramms für Deutschland, Österreich und Liechtenstein, Martin Frick, verwies darauf, dass das Welternährungsprogramm derzeit nur zu 60 Prozent finanziert sei – so gering wie in seiner 60-jährigen Geschichte noch nie. Dadurch seien in diesem Jahr etwa in Afghanistan nicht mehr wie im vergangenen Jahr 23 Millionen Menschen erreicht worden, sondern nur noch drei Millionen. Deutschland sei nach den USA weiterhin der weltweit zweitgrößte Geber. Er warne davor, humanitäre Hilfen zu kürzen, erklärte Frick. Die deutschen Hilfen seien auch ein wichtiges Instrument der Außenpolitik.

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